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Von Schwertern und Pflugscharen.

Poljot Offiziersuhr

Daß die – auch für uns überraschend stark nachgefragte – Neuauflage jener Armbanduhr, mit der ab 1940 die Offiziere der Roten Armee ausgestattet wurden, nicht überall auf Wertschätzung traf, fand zuletzt Ausdruck in der Zuschrift eines Kunden, der sie mit Zahlen über deutsche Zivilverluste zu gravieren vorschlug.

 

Das mag manchem auf schmerzliche Weise einleuchten und anderen kaum verständlich erscheinen, veranlaßt uns aber doch, einmal auf den entstehungs- geschichtlichen Hintergrund vieler Produkte einzugehen. Wobei es unzulässig einschränkend wäre, dieses Unterfangen allein am Beispiel Uhren zu betreiben, denn der militärische Zweck technischer Erfindungen zieht sich durch alle Industriebereiche.

 

So ermöglichte die für den Kanonenbau verbesserte Frästechnik die Entwicklung der Dampfmaschine, und ein deutscher Hersteller von Spannzeugen und Bohrfuttern betätigt sich noch heute auf dem Gebiet der Handfeuerwaffen. Funk- und Nachrichtentechnik, Kompaß und Sanitätstasche, Tintentablette und Schnürstiefel – an so mancher Wiege einer neuen technischen Errungenschaft stand der Krieg als Vater.

Sogar der Computertomograph besteht aus einigen Komponenten, die ursprünglich der Präzisionssteuerung von Panzertürmen und -kanonen dienten. Der als Trenchcoat zum Bekleidungsklassiker gewordene Wettermantel schließlich schützte im Ersten Weltkrieg den britischen Soldaten im Schützengraben gegen Regen und Wind.

Bei vielen dieser Dinge ist der militärische Entwicklungshintergrund längst verblaßt. Zudem gibt es gerade im technischen Bereich nach jedem Krieg eine starke Tendenz zur Zivilisierung der Errungenschaften, und hier werden mitunter Schwerter zu Pflugscharen. Die Formteile, auf denen die spanische Firma El Casco früher ihre Pistolenläufe herstellte, dienen nun zur Fertigung von Klammermagazinen für Tischhefter. Militärische Orientierungssysteme dienen heute der Navigation im Auto, und Uhren mit flugtauglicher Ablesbarkeit erfreuen sich auch bei jenen Zivilisten großer Beliebtheit, deren Fliegerei sich auf den Sommerurlaub beschränkt.

Dennoch bleibt einiges vom Konnex der Produkte zurück, ihre Geschichte haftet ihnen an, und das erklärt einen Teil der Stimmung, die der Mensch beim Umgang mit einem Ding empfindet. Letztlich ist aber zu unterscheiden zwischen Tätern und Taten einerseits und den von ihnen benutzten, vielleicht gar nicht tat relevanten Gegenständen andererseits.

 

Wo die Symbolik in den Hintergrund tritt, wird die Sache tragbar (Trenchcoat). Wo sie bestimmend bleibt (Pickelhaube) oder zum anekdotischen beziehungsweise modischen Zitat verkommt (Flecktarnung) wird sie es nicht. Dazwischen gibt es einen weiten Bereich, in dem wir jedem seine individuelle Festlegung selbst überlassen. Uns leitet innerhalb dieser Grenzen die erwiesene überlegene Funktionstüchtigkeit und der besondere Gebrauchsnutzen des einzelnen Gegenstands, auch und gerade unter erschwerten Umständen. Eine geschichtsbewußte Einstellung gegenüber der oft militärischen Genese des technischen Fortschritts soll dadurch aber gar nicht erschwert werden, im Gegenteil.

 

Gerade die zivile Nutzung Umwidmung oder auch Weiterentwicklung ist es ja, die eine mit zunächst anderen Absichten gemachte Erfindung für den heutigen Weitergebrauch legitimieren kann. Die in der deutschen Designgeschichte als „Schrottelzeit“ chiffrierten Jahre 1945 bis 1948 sind überreich an Nachnutzungen dieser Art: Stahlhelme wurden zu Rührschüsseln, Fallschirme zu Ballkleidern und Gasmaskenfilter zu Sieben. Noch in den 1990er Jahren ist laut einer Zeitungsmeldung eine Rentnerin aus Mainz beinahe Opfer einer Explosion geworden, nachdem sie jahrzehntelang eine Stielgranate zum Teigausrollen verwendet hatte, die ihrerseits eines Tages das tat, wozu man sie entwickelt hatte. Vor solcher Unbill, das versprechen wir, sind Sie bei unseren Produktengleich welchen Hintergrunds geschützt.

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