CD mit Begleitheft. Spieldauer ca. 70 Minuten.
Der Beethoven-Zyklen sind nicht wenige am Markt, die Frage muß also erlaubt sein, ob es eines weiteren bedurfte. Hat man eine der Aufnahmen der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi gehört, wird man spontan antworten: „unbedingt“. Denn selbst wer Beethovens Sinfonien gut und in den besten Aufnahmen des 20. Jahrhunderts (beispielsweise denen des Chamber Orchestra of Europe unter Nikolaus Harnoncourt) kennt, wird von dem kristallklaren, scharfen und dabei bestens ausbalancierten Klangbild dieser durchgeformten, ausdrucksstarken Interpretationen überrascht sein. Die eine Ursache dafür ist eine künstlerische: der bewußt und äußerst erfolgreich unternommene Versuch der Kammerphilharmonie (ein Begriff, den die Bremer erfunden haben), sinfonische Klangfülle mit dem Ideal der musikalischen Transparenz und Präzision einer Kammerbesetzung zu verbinden. Die andere, nicht weniger wesentliche, ist wirtschaftlicher Art. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen hat keinen öffentlichen oder privaten Träger, sondern gehört den beteiligten Musikern – jeder von ihnen ist gleichzeitig Künstler und Unternehmer. Das Ensemble finanziert sich zu rund 60 Prozent durch Einnahmen aus dem Konzertbetrieb und privatwirtschaftliche Sponsoren (während viele andere Orchester mit 90–95 Prozent subventioniert werden). Der Vorteil, wenn man sein eigener Herr ist: Man kann sich „seine“ Dirigenten aussuchen, und man kann sich Zeit für seine Projekte nehmen – Zeit für eine umfangreiche Vorbereitung, für eine Studioaufnahme unter bestmöglichen Bedingungen, für eine sorgfältige Nachproduktion und nicht zuletzt für die Umsetzung im aufwendigen, aber klanglich überlegenen SACD-Verfahren. Hier ist endlich einmal eine Aufnahme gelungen, die klanglich die Vorzüge „schöner“ Interpretation und akkurater, historischer Aufführungspraxis in sich vereint. Um von einer Referenzaufnahme für das 21. Jahrhundert zu sprechen, ist es noch zu früh, daß mit diesem Meisterwerk die Meßlatte sehr hoch hängt, ist dagegen gewiß. Die Kritiken im In- und Ausland sind dementsprechend euphorisch, und wir geben unumwunden zu, auch wir haben uns von den Aufnahmen begeistern lassen.
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