Alte Zeche Waltrop

Wie sollten wir bauen?

 

In den knapp zwölf Jahren seines Bestehens war Manufactum Ende der 90er Jahre notgedrungen ein sehr mobiles Unternehmen: Die Verwaltung hatte insgesamt fünf Standorte (u.a. in Bochum, Recklinghausen und Marl), und klar war; daß der nächste, der sechste Standort ein endgültiger sein müsse und uns nicht mehr nur als Mieter, sondern als »Investor« (oder im besseren Fall: als Bauherrn) beanspruchen werde.

 

Alte Zeche Waltrop

Aber Bauherr zu sein ist ja keine Rolle, die man heute leichten Herzens und voll Schaffensfreude übernähme; man kriegt es dabei mit allerlei Widrigkeiten - u.a. rentabilitätsmathematischer, steuerlicher und wärmeschutzrechtlicher Art - zu tun, und schließlich noch mit Architekten. Deren Zunft versteht sich seit längerem als eine »kunstschaffende«, was zumindest insoweit heikel ist, als die architektonischen Produkte »künstlerischer Freiheit« und »künstlerischen Selbstausdrucks« ja nicht nur Schreib-, Noten- und Zeichenblätter bedecken, sondern im schlimmsten Fall ganze Stadtviertel.

 
Luftbild Alte Zeche
 

Industriearchitektur im Ruhrgebiet

Seit die Architektur sich vor 50 Jahren entschloß, alles baulich Überlieferte als unbewohnbar gewordenes »Gehäuse einer gescheiterten Welt« (Hans Scharoun) zu betrachten und eine verschärfte architektonische »Moderne« auf den Weg zu bringen, hat sie bereits etliche »Aufbrüche« und »Wenden« ausgerufen. Dabei ging es immer weniger um ansehnliche, gediegene und dauerhafte, sondern immer mehr um »heitere«, »überraschende« oder »demokratische« Bauten, und in den letzten zehn Jahren scheute eine philosophisch inspirierte Fraktion der Baumeister selbst vor der Ansicht nicht zurück, daß in einer lauten, dissonanten Welt auch die Gebäude (optisch) kreischen müssen.

 

Schöner sind unsere Städte durch diese endlose Reihe architektonischer Selbstinszenierungen nicht geworden, und der Beifall von Nutzern und Öffentlichkeit kam immer spärlicher. Und so mag es auch ein Zeichen der theoretischen und ästhetischen Ermattung sein, daß manche Großgebäude mit ihren Spiegelfassaden selbst gar nicht mehr wahrnehmbar sind, sondern nur noch als Reflektionsfläche der umstehenden Bebauung dienen, die, sofern sie aus der Vorkriegszeit und damit von einer künstlerisch bescheideneren Architektengeneration stammt, mit einiger Wahrscheinlichkeit ansehnlich und gediegen ist.

 

Das Bauwerk. Stahl, Glas und Holz hinter Backstein

Manufactum nutzt insgesamt drei Hallen der Zeche Waltrop. Als Verwaltungsgebäude fertiggestellt wurde die Zentrale Maschinenhalle der Schachtanlage, die Verkaufsräume befinden sich in der ehemaligen Waschkaue. Den Umbau besorgte der Coesfelder Architekt K.-D. Luckmann. Das Gebäude hat eine Grundfläche von 1.355 m², eine Netto-Nutzfläche von 3.540 m², ein Volumen von 22.000 m³ und ist vollständig aus Backstein-Ziegeln gemauert: ca. 830.000 Stück.
Die Außenmauern haben eine Stärke von 78 cm in der unteren Ebene bzw. 63 cm in der oberen. Das Bauwerk wurde in seinem konstruktiven Gefüge nicht verändert, sondern als »Zweispänner« mit Belichtungsgassen erschlossen. Die Dimensionen des großen Gebäudes bleiben erfahrbar. Die ca. 4 Meter über dem Untergeschoß-Boden liegende ehemalige Maschinenplattform bildet jetzt die Eingangsebene und erschließt die Halle in Querrichtung. Die Längsgasse wird durch Belichtungsschächte und zwei Treppen aus Stahl und Holz erschlossen. Die Innenkonstruktion hält einen Abstand von 120 bis 130 cm zur Außenhülle: Auf vier Ebenen laufen entlang der Längsfassaden die Nutzflächen als »Haus im Haus«. Es wurde als Stahlskelettbau errichtet, bei dem Massivholz-Deckenelemente als Tragwerk den üblichen Beton ersetzen. Die Büroeinbauten stehen also frei in der Halle. Sie haben Stahl-Glas-Fassaden und sind somit offen für das Licht, das durch die großen Fenster der alten Halle und einen vierzig Meter langen gläsernen Dachreiter einfällt.
 

High Tech oder Steinzeit?

Wenn wir uns also auch vor den vielen Zweifelsfragen derzeitiger Bürohaus-Architektur hinter (heute unbezahlbare) alte Backsteinmauern »geflüchtet« haben - das Zweischalenprinzip der Gebäudekonstruktion führt uns mitten in die aktuelle Diskussion über eine »High-Tech-Architektur« zurück:
Maschinenhalle Alte Zeche Waltrop
In der Losung »Form follows energy« hoffen manche Architekten abermals, ihrer gestalterischen Selbstzweifel durch das Diktat objektiv-funktionalistischer, diesmal energetischer Konstruktionsprinzipien enthoben zu werden.
 
Das wird, wie die entsprechende Bauhaus-Gläubigkeit, eine Illusion bleiben. Kein funktionalistisches oder ökologisches Gebot wird den »Willen zur Schönheit« ersetzen können. Immerhin: Die durch zweischalige Bauweisen entstehende »Klimafassade« oder »Klimamembran« ist ein vieldiskutiertes Mittel zum Zweck eines »energetisch optimierten« Bauens. Es ergibt sich bei solchen Konstruktionen eine abgestufte Temperaturhierarchie von Außenklima, der Pufferzone (zwischen den Außenwänden des äußeren und des inneren Baukörpers) und dem eigentlichen Innenklima der Räume.
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