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Ohrensessel Loden

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Ohrensessel Loden
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Allgemeine Informationen

Diskussionsstoff. Rund um einen Ruhepol

Unerschütterlich behauptet der Ohren- oder Backensessel (auch Bergère genannt) seinen Platz in den Zimmern, Stuben und Erkern dieser Welt – auch wenn manche rast- und ruhelosen Geister ihm seine Behäbigkeit vorwerfen. Wie sie das Möbel doch verkennen, denn gerade die in sich ruhende Massivität macht ja sein Wesen aus: Er lässt sich nicht leicht verrücken und schon gar nicht aus der Ruhe bringen, stattdessen nimmt er als Ruhepol sanftmütig all jene Suchenden auf, die sich für einen Moment von den Anforderungen des Alltags zurückziehen möchten. In seiner Geborgenheit kann der Mensch seinen Gedanken nachhängen, ein Buch lesen oder auch, den Kopf bequem angelehnt, ein Nickerchen halten – und im besten Fall dabei sogar die Füße hochlegen: auf den dazu passenden (separat erhältlichen) Hocker.

Seine Formgebung und Polsterung wird seinem Wesen voll und ganz gerecht – an seinem ungewöhnlichen Bezugsstoff werden sich möglicherweise auch die ruhigsten Geister scheiden. Die einen mögen das großformatige Karomuster des Lodens als „Old School“ belächeln, die anderen seine eigentümliche Exzellenz bewundern, die diesen Ohrensessel in jedem Interieur zu einem außergewöhnlichen Blickfang macht. Vielleicht ist es ja gerade der scheinbare Gegensatz von Rückzugsort und herausragender Optik, der hier für Diskussionsstoff sorgt. So oder so führt der Lodenstoff eines klar und deutlich vor Augen: Hier war ein erfahrener Polsterer am Werk. Ohnehin ist es eine Herausforderung an Sorgfalt und handwerkliches Können, die Rundungen der Ohren und Armlehnen ohne Verzug und Faltenwurf zu beziehen. Das Muster derart gleichmäßig und exakt um die Rundungen zu führen, beweist den Meister seines Fachs.

Im Hochgebirge erprobt. Mandlinger Loden

Der Qualitätsmaßstab für das Bezugsmaterial ist bei einem solchen Möbelstück naturgemäß außergewöhnlich hoch. Sinn verwendet hier einen Loden von Steiner1888, einem Unternehmen, das bereits 1888 im österreichischen Mandling eine Lodenwalke gründete und bis heute in traditioneller Handwerkskunst produziert. Vom Rohstoff bis zum fertigen Loden erfolgen sämtliche Produktionsschritte in der Manufaktur. Dabei wird die Schurwolle zunächst zu einem feinen Faservlies „gekrempelt“, in feine Streifen geteilt, zum Vorgarn gerundet und schließlich an Ringspinnmaschinen in mehreren Hunderttausend Drehungen zu reißfestem Wollgarn versponnen. Dieses Garn wird verwebt, wobei die Auswahl der verschiedenfarbigen Wollen für den karierten Stoff einem gut gehüteten „Geheimrezept“ folgt, dessen Umsetzung Erfahrung und hohe Präzision verlangt. Kernprozess der Lodenerzeugung ist das folgende Walken: Unter warmem Wasser und Druck wird das Wollgewebe „geknetet“, bis es verfilzt. Nach dem Rauen, Scheren und Dekatieren steht am Ende ein dichter, enorm strapazierbarer Stoff, der scheuerfest und nur wenig schmutzanfällig ist – ein original Mandlinger Loden, der sich dank seiner extremen Robustheit sogar auf Himalaja-Expeditionen bewährt hat. Als Bezugsstoff nimmt der Mandlinger Loden damit selbst einen etwas raueren Umgang mit stoischer Gelassenheit hin.

Sinn in Stemwede

In der 1967 im westfälischen Stemwede gegründeten Polsterei Sinn hat man sich bereits vor einem Vierteljahrhundert entschieden, auf Klasse statt auf Masse zu setzen und sich auf den Bau von Individualmöbeln zu konzentrieren, die im konstruktiven Aufbau wie im Materialaufwand kaum zu übertreffen sind. Die Entscheidung, sich so von der allgegenwärtigen, nur auf wenige Nutzungsjahre ausgelegten modischen „Saisonware“ abzusetzen, hat sich für die Polsterei als goldrichtig erwiesen. Sinn hat einen stabilen Privatkundenstamm und darüber hinaus einen ausgezeichneten Ruf bei Auftraggebern, die individuell gestaltete und auf intensivste Nutzung ausgelegte Polstermöbel benötigen, etwa im Schiffs- und im Flugzeugbau. So hat das Festhalten am traditionell ausgeführten Handwerk (und erst recht: die fortlaufende Weitergabe der alten handwerklichen Techniken an eine junge Mitarbeitergeneration) das Unternehmen dauerhaft auf solide Füße gestellt.

Von innen nach außen

Das Polsterhandwerk ist ein Handwerk, das seine eigentliche Leistung unter Bezügen verbirgt. Seine wahre Qualität zeigt ein Sessel oder ein Sofa eben erst dann, wenn man seine Innenkonstruktion genauer betrachtet. Unser Ohrensessel kann da als Beispiel dienen: Seine Basis ist ein klassisches, vom Stellmacher geliefertes Innengestell aus Buchenholz und Multiplex-Schichtholz mit gedübelten Eckverbindungen, das zum Schutz von Polsterung und Bezug an den Kanten abgerundet ist. Die Standfüße sind aus massivem, geöltem Eichenholz; sie stehen zum Schutz des Bodens auf Kunststoffgleitern (für Parkettböden und andere empfindliche Untergründe werden zusätzlich Filzgleiter beigelegt). Statisch ist ein solches Möbel also für eine Zukunft als Antiquität gerüstet. Noch größer aber ist der Aufwand, der bei der Polsterung betrieben wird: Als Unterfederung dienen Wellenfedern aus gehärtetem Stahl, die mit einer Filzlage zur Geräuschdämmung abgedeckt sind. Darauf ruht der eigentliche Zylinder-Federkern aus verkupfertem Federstahldraht. Die Stärke der Federn nimmt von innen nach außen zu, wobei die Anzahl der aufwendig von Hand miteinander verbundenen Federn bei Sinn die Anzahl derer in herkömmlichen Federkernmöbeln um ein Mehrfaches übersteigt. Jede einzelne Feder wird ofenthermisch vergütet und durch einen Wachsüberzug in der Geräuschbildung gedämpft. Auf Holzaufbau und Federung folgt eine Abdeckung mit Federleinen, bevor anschließend der Polsterträger aus Gummikokos (latexierte und vulkanisierte Kokosfaser) aufgebracht wird. Zwei Lagen Kaltschaum und eine Lage Watte bilden die oberste Schicht des Polsters.

Produktinformation

Artikelnummer 208491

Bezug 100% Wolle. Buchenholz und Multiplex-Schichtholz, Füße Eichenholz geölt, Herkunft Deutschland. Handwerkliche Federung mit Wellenfedern, Filz sowie einem Zylinderfederkern aus verkupfertem Stahldraht. Zwei Lagen Kaltschaum auf Federleinen und latexierter Kokosfaser. Hergestellt in Deutschland. Breite 80 cm, Tiefe 81 cm, Höhe 113 cm. Sitzfläche 48 × 52 cm, Sitzhöhe 45 cm. Gewicht 35 kg. Aus handwerklicher Fertigung, bei den angegebenen Maßen handelt es sich daher um Circamaße.
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