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Kerzen. Eine saubere Sache.

Ob es nun in den Bereich der Legenden gehört oder ob Goethe wirklich auf dem Sterbebett „Mehr Licht“ seufzte? Man wird es vermutlich nie erfahren. Fakt ist aber: Die mangelnde Beleuchtung seinerzeit und die ständig rußenden Kerzen machten dem Dichter schwer zu schaffen. „Wüsste nicht, was sie Besseres erfinden könnten, als wenn die Lichter ohne Putzen brennten“, klagte Goethe anno 1779 in einem Brief an seine enge Freundin Charlotte von Stein. Und es fällt nicht schwer sich vorzustellen, wie er des Abends über seiner Nachtlektüre stöhnte, wenn er ein weiteres Mal nicht umhinkam, den Docht seiner penetrant tropfenden Kerze alle halbe Stunde zu kürzen – eine Tätigkeit, die man im Volksmund auch „schneuzen“ nannte. Diese Tage sind mittlerweile lange gezählt. Nicht nur, dass wir schon lange über elektrische Beleuchtung verfügen, auch die Qualität der Kerzen hat sich seit Goethes Zeiten eklatant verbessert. Das liegt einerseits an der Güte der Rohstoffe und andererseits an der Herstellung der Dochte.

Ins Licht gerückt. Eine kurze Geschichte der Kerzen.

Die ersten Kerzen waren nicht viel mehr als Stroh, Hanf oder Schilfrohre, die, in Fetten oder Harzen getränkt, vor über 5.000 Jahren im Vorderen Orient die dunklen Stunden erleuchteten. Die alten Römer hingegen nutzten in Talg getunkte Papyri, ebenso wie viele andere frühe Zivilisationen bereits rudimentäre Formen von Kerzen einsetzten. Es bedarf keiner besonders ausgeprägten Phantasie, sich vorzustellen, dass diese frühen Formen von Lichtern ordentlich qualmten, und auch der Geruch von brennendem Talg kann euphemistisch als nicht besonders wohlriechend klassifiziert werden. Da waren die ersten Bienenwachskerzen, die ungefähr ab dem zweiten Jahrhundert nach Christus belegt sind, angenehm süßlich dufteten und darüber hinaus kaum qualmten, eine wahre Wohltat.

 

Leider jedoch war Bienenwachs rar und teuer und so kamen bis in die Neuzeit nur jene in den Genuss von sauber brennenden Kerzen, die über einen gewissen gesellschaftlichen Stand und entsprechende finanzielle Mittel verfügten. Der durchschnittliche Bürger behalf sich über all die Jahrhunderte weiterhin mit rußenden und stinkenden Talgkerzen. Das 19. Jahrhundert brachte schließlich die Revolution auf dem Kerzenmarkt. Zunächst entdeckte der Chemiker Eugène Chevreul eine Möglichkeit Fettsäuren zu extrahieren, was in der Entwicklung von Stearin kulminierte, das ab 1818 erstmals auch für Kerzen eingesetzt wurde. Stehenden Fußes folgte ab den 1830er Jahren das Paraffin, ein Nebenprodukt der Erdölindustrie, das erstens deutlich günstiger herzustellen war als alle anderen Kerzenrohstoffe und zweitens genau wie Stearin und Bienenwachs sauber und gleichmäßig brannte. Sein einziger Nachteil, der niedrige Schmelzpunkt, wurde in der Folge meist durch die Beigabe des deutlich härteren Stearins ausgeglichen.

 

Mit der gleichzeitigen Verbesserung der mittlerweile aus Baumwolle bestehenden Dochte, die sich nun im angezündeten Zustand selbsttätig zur Seite und damit aus der Flamme hinaus bogen – was dazu führte, dass der obere Teil kontinuierlich verglühte und dadurch nicht mehr geputzt werden musste –, war Goethes Traum Realität geworden. Hätte er doch nur ein paar Jahre länger gelebt.

Gesteckkerze Bienenwachs groß
Bronzeleuchter 7-flammig

Sauber bleiben. Woran erkennt man qualitativ hochwertige Kerzen?

Der anspruchsvolle Kerzenkonsument stellt hohe Anforderungen. Seine Kerzen sollten bestenfalls:

 

  • Nicht tropfen oder laufen
  • Nicht rußen oder rauchen
  • Mit ruhiger, heller Flamme brennen
  • Gut duften oder zumindest nicht unangenehm riechen
  • Lange brennen und dabei so vollständig wie möglich herunterbrennen
  • Und: Sich gut wieder anzünden lassen

Die meisten dieser Aspekte werden durch die Herstellung und die Wahl der Rohstoffe bedingt. Grundsätzlich eignen sich bei guter Qualität sowohl Stearin, Paraffin als auch Bienenwachs für die Herstellung hochwertiger Kerzen. Letzteres zeichnet sich durch seinen charakteristischen Duft aus und ist das einzige vollständig natürliche und unverarbeitete Ausgangsmaterial. Sich auf eines der Wachse festzulegen oder ein anderes auszuschließen ist vornehmlich eine individuelle Entscheidung auf Basis der Herkunft, die aber kaum Auswirkungen auf das Brennverhalten der Kerzen hat.

 

Reine Rohstoffe allein machen jedoch nicht automatisch gute Kerzen. Unerlässlich ist es außerdem, dass der Docht auf das Material, die Materialmenge und den Durchmesser der Kerze abgestimmt wird. Bienenwachskerzen beispielsweise benötigen aufgrund ihrer Konsistenz einen stärkeren Docht als Kerzen aus Stearin oder Paraffin. Die Art der Herstellung hingegen – ob eine Kerze gegossen, gezogen, gepresst oder geknetet ist – wirkt sich nur dann auf die Qualität der Kerzen aus, wenn das Material nicht ausreichend verdichtet wird, was vor allem bei gepressten Kerzen aus minderwertigen Rohstoffen auftreten kann. Wir bei Manufactum schätzen insbesondere noch in Manufaktur hergestellte Kerzen, bei denen das Können des Kerzenziehers beziehungsweise Wachsbildners sich unmittelbar am Produkt niederschlägt.


Erste Hilfe. Oder: Was tun, wenn es doch rußt?

Um zu verstehen, warum Kerzen rußen, muss man sich zunächst vor Augen führen, wie sie funktionieren. Nach dem Anzünden des Dochts schmilzt zunächst das Wachs, was je nach Material bei Temperaturen zwischen 50 und 70 °C geschieht. Das flüssige Wachs steigt nun durch die Kapillarwirkung des geflochtenen Dochts in selbigem nach oben bis in die Flamme. Dort verdampft es und verbrennt im Anschluss im Zusammenspiel mit Sauerstoff, was weiteres Wachs verflüssigt und den Kreislauf in Gang hält. Theoretisch wird das Wachs also immer weniger, der Docht jedoch verliert nicht weiter an Länge, solange er im brennenden Bereich verweilt und nicht selbst mit Sauerstoff in Kontakt kommt.

 

Geschieht dies, sprich wird der sichtbare Bereich des Dochts immer länger, saugt er auch mehr flüssiges Wachs nach oben und die Flamme wird größer. Da eine größere Flamme aber auch mehr Brennmaterial benötigt, das jedoch nicht schnell genug „nachgeliefert“ werden kann, wird die Flamme wieder kleiner. Dies in potenziell unendlicher Abfolge führt zum Flackern von Kerzen, was wiederum Rußen zur Folge hat – soweit zumindest die komprimierte Fassung der Vorgänge. Im Detail betrachtet sind die physikalischen und chemischen Grundlagen hinter einer Kerzenflamme so komplex, dass der Experimentalforscher Michael Faraday im Jahr 1860 gar eine sechsteilige Weihnachtsvorlesung zu dem Thema abhielt.

Durch eine verbesserte Konstruktion der Dochte kann diesem Dilemma mittlerweile wirksam vorgebeugt werden. Die Baumwollfäden werden dafür asymmetrisch geflochten und mit Spannfäden einseitig verstärkt. Dadurch neigt sich der obere Bereich des Dochts im brennenden Zustand seitwärts, kommt mit Sauerstoff in Berührung und verbrennt. Liegt jedoch ein Webfehler vor, was bei minderwertigen Dochten durchaus vorkommen kann, passiert es, dass der Doch zu aufrecht steht, sich zu stark biegt, sich korkenzieherförmig verzieht oder Dochtblüten bildet. Eine rußende Kerze kann daher ein Zeichen für Mängel in der Produktion sein.

 

Zu lange Dochte sollten, wenn sie doch einmal vorkommen und sichtbar rußen, im gelöschten Zustand behutsam mit einer (Docht-)Schere gekürzt werden. Idealerweise liegt die Dochtlänge bei 10 bis 15 Millimetern. Achten Sie dabei darauf, dass keine Dochtstücke oder Aschereste in den Brennteller der Kerze gelangen, denn Verunreinigungen des Wachses können zu ungleichmäßigem Abbrennen der Kerze und damit zu Tropfen führen.

 

Viel häufiger, als dass ein Qualitätsmangel vorliegt, kommt es jedoch vor, dass die Kerzen Zugluft ausgesetzt sind, was ebenfalls zu Flackern und damit zu Rußen führt. Stellen Sie Kerzen daher immer nur in Bereichen ohne kontinuierliche Luftbewegungen auf. Auch eine mangelnde Sauerstoffversorgung der Flamme wirkt sich negativ auf die Verbrennungsleistung aus. Nicht geeignete Kerzenbehälter können die Luftzufuhr beschränken, genau wie ein zu hoher Wachsrand, der dann entsteht, wenn eine Kerze noch nicht bis zum Rand gebrannt ist, bevor sie gelöscht wird. Lässt sich das nicht vermeiden, empfiehlt es sich, den Rand im warmen, weichen Zustand mit einem scharfen Messer zu entfernen, damit die Kerzen nicht unnötig auf Sparflamme brennen.

 

Werden diese Hinweise nicht beachtet, hat selbst die beste Kerze keine Chance ihre Qualitäten zu zeigen.

 

Weitere Sicherheitshinweise zum Umgang mit Kerzen haben wir für Sie in diesem Dokument zusammengestellt.


Vom Fleck weg. Kerzenwachs wirksam entfernen.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten Wachsflecken zu beseitigen: Mit Hitze oder mit Kälte, und zwar abhängig vom betroffenen Material – teilweise sogar kombiniert eingesetzt. Sofern möglich, sollten Wachsreste vor jeder weitergehenden Behandlung zunächst abgebröckelt werden. Gerade bei Textilien ist dies nach dem Erkalten des Wachses oft problemlos möglich. Versuchen Sie niemals, den Fleck zu behandeln, bevor er getrocknet ist, denn das verschlimmert die Problematik meist deutlich.

 

Sollte es sich schwierig gestalten, Wachsreste von Textilien oder Leder zu entfernen, ist Kälte das erste Mittel der Wahl. Je nach Dimension des entsprechenden Objekts können Sie es einfach vorübergehend im Tiefkühlfach deponieren, einen Kühlakku (bei Leder zum Schutz vor Kondenswasser in ein Tuch gewickelt) auflegen oder auch Kältespray zum Einsatz bringen.

 

Die herabgesetzte Temperatur erleichtert das Abnehmen der Wachsreste. Dünnere Wachsrückstände auf Textilien, die sich auf diese Weise nicht entfernen lassen, können mithilfe eines Bügeleisens sowie eines dazwischen gelegten, saugfähigen Materials wie Lösch- oder Küchenpapier geschmolzen und aus dem Stoff gezogen werden. Bügeln Sie dabei auf mittlerer Hitze und ohne Dampf. Bei empfindlichen Textilien oder farbigem Wachs wird diese Methode nicht empfohlen. Geben Sie diese Stücke nach dem Abbröckeln zur Sicherheit in die Reinigung.

 

Wollen Sie Wachs von metallenen Kerzenleuchtern oder aus Kerzengläsern entfernen, gönnen Sie ihnen ein heißes Bad in nicht kochendem Wasser. Anschließend sollten sich die Reste einfach abwischen lassen. Andere glatte Oberflächen, die nicht so einfach baden gehen, können mithilfe eines Föns von Wachsresten befreit werden. Auch hier lässt sich das verflüssigte Wachs danach mit einem Papiertuch aufnehmen.

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