Schreibtischleuchten

Da sich das Arbeitsleben heute vermehrt am heimischen Schreibtisch abspielt, gilt es, das Büro nicht nur nach funktionalen, sondern auch nach optischen Gesichtspunkten einzurichten. Denn idealerweise steht der Arbeitsplatz in einer harmonischen ... Weiterlesen

Ratgeber

Klassiker im Fokus. Stilvolle Schreibtischleuchten

SchreibtischleuchtenSchreibtischleuchten

Da sich das Arbeitsleben heute vermehrt am heimischen Schreibtisch abspielt, gilt es, das Büro nicht nur nach funktionalen, sondern auch nach optischen Gesichtspunkten einzurichten. Denn idealerweise steht der Arbeitsplatz in einer harmonischen Korrespondenz mit den anderen Wohnbereichen und sollte nicht als Fremdkörper innerhalb der eigenen vier Wände wahrgenommen werden. Der passenden Arbeitsplatzbeleuchtung kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Schreibtischleuchten sollten einerseits ein fokussiertes, helles Licht spenden, das die Augen bei allen Sehaufgaben zuverlässig unterstützt, und andererseits dem Raum eine charaktervolle Note verleihen. Wir stellen Ihnen einige Ikonen des Leuchtendesigns vor, die beide Aspekte auf wunderbare Weise miteinander vereinen.

Leuchtender Smaragd. Die Banker’s Lamp

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Elektrifizierung in Amerika weiter voranschritt, schrieb vor allem eine Leuchte Geschichte: die berühmte Banker’s Lamp. Sie ist ein wahres Glanzstück der Belle Époque – in eleganter, klarer Linie, mit einem geschwungenen Schirm aus mundgeblasenem Glas und einem pyramidenförmigen Fuß aus massivem Messing. Schöpfer des ursprünglichen Modells der Bankerleuchte ist Harrison Dawson McFaddin. Der Amerikaner erhielt 1909 das Patent für seine Emeralite, wie er sie taufte, ein Sprachspiel aus Emerald (englisch = Smaragd) und Lite (im Englischen umgangssprachlich für Light).

Bankerleuchte

Konzipiert für die funktionale Einrichtung von Büros, verbreitete sie fortan ihr sanftes, gedämpftes Licht in Bibliotheken, Gerichten, Kanzleien und natürlich auch in Banken. Selbst den Schreibtisch von John F. Kennedy im Oval Office zierte eine Banker’s Lamp. Auch ein Jahrhundert später hat die Bankerleuchte nichts an Eleganz und Funktionalität eingebüßt. Das liegt nicht zuletzt an ihrem aufwendig handgefertigten Schirm aus mehrschichtigem Überfangglas. Dank ihm spendet sie einerseits ein fokussiertes, helles Leselicht und wirft andererseits ein angenehm weiches, warmes Licht in den Raum.

379,00 €

Sehnsucht nach gutem Licht. Poul Henningsen für Louis Poulsen

„Erlebt man einmal eine wirklich gute Beleuchtung, ist das Leben sofort wieder mit neuen Werten erfüllt.“ Dieses Zitat von Poul Henningsen (1894–1967) spiegelt das Bedürfnis wider, das den dänischen Designer zeitlebens begleitet hat. Sein Ziel war es, Leuchten zu konstruieren, die nicht nur ein blendfreies, gerichtetes Licht spenden, sondern gleichzeitig mit gedämpftem, diffusem Licht und einem lebhaften Schattenspiel auch ein Stückchen mehr Lebensqualität schenken. Henningsen erdachte ein außerordentlich flexibles Lichtsystem, bei dem der Schirm einer Leuchte aus mehreren Segmenten besteht, deren Proportionen sich von der logarithmischen Spirale ableiten.

Einer seiner ersten Leuchtenentwürfe ist die Pendelleuchte „Paris Lamp“, die 1925 auf der Pariser Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes die Goldmedaille erhielt. Im gleichen Jahr begann die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Leuchtenhersteller Louis Poulsen, mit dem Henningsen im Laufe seines Lebens etwa eintausend Leuchtenmodelle entwickelte, die alle unter dem Namen PH, den Initialen des Designers, auf den Markt kamen. Seine berühmteste Leuchte ist die Pendelleuchte PH 5 von 1958. Sie soll inzwischen in der Hälfte aller dänischen Häuser hängen und kaum ein skandinavischer Spielfilm kommt ohne die stimmungsvolle Inszenierung der PH 5 oder einer ihrer „Schwestern“ aus.

Den dreiteiligen Leuchtenschirm konstruierte Henningsen bereits in den Jahren 1925/1926. Etwa in dieser Zeit entstanden die Modelle der Tischleuchten PH 2/1 und PH 3/2, deren Schirme anfangs noch aus Metall, später dann aus mattiertem, mundgeblasenem Opalglas gefertigt wurden. Diese skandinavischen Klassiker sorgen auf dem Schreibtisch für ein angenehmes, blendfreies Licht und tragen gleichzeitig zu einer weichen, atmosphärischen Raumbeleuchtung bei.

Elegante Erscheinung, wartungsfreie Gelenke. Midgard-Leuchten

Als mit der sich rasant entwickelnden Industrialisierung die Maschinen in den Fabriken rund um die Uhr ratterten, setzte einer den schlechten Lichtverhältnissen und dem „Schattendasein“ der Arbeiter*innen ein Ende: Der Ingenieur Curt Fischer (1890–1956), Gründer des Thüringer Leuchtenherstellers Midgard, revolutionierte den Markt mit der ersten lenkbaren elektrischen Leuchte. Dank ihres Scherenmechanismus konnte man die Lichtquelle der „Midgard“ zu sich heranziehen und ihr Kopf war dreh- und wendbar – so ließ sich die Leuchte mit nur einer Hand exakt auf den Arbeitsplatz ausrichten. 1919 meldete Fischer die Scherenleuchte zum Patent an. Völlig zu Recht gilt er heute als Vater des lenkbaren Lichts.

Die bekannteste und weltweit erste seriell gefertigte lenkbare Leuchte war die Midgard „Typ 113“ – aufgrund ihres gebogenen Arms auch „Peitsche“ genannt. Sie wurde 1922 entwickelt und zog kurze Zeit später auch im Bauhaus Dessau ein. Marianne Brandt (1893–1983), eine der berühmtesten Künstlerinnen des Bauhauses, sagte einmal: „Beneidet haben wir später die Erfinder des Armes der ‚Midgard‘-Leuchte. Unsere Lampe war ja auch verstellbar, aber eben nicht so elegant.“ Aus diesem Modell und der später entworfenen Midgard „Typ 114“ entstand ein modulares Leuchtensystem mit wartungsfreien Gelenken, die Fischer ebenfalls patentieren ließ.

Nach der Insolvenz von Midgard im Jahr 2011 wurde die Traditionsmarke von David Einsiedler und Joke Rasch 2017 in Hamburg-Altona wiederbelebt. Dort befindet sich seither auch die Fertigung – und es gilt nach wie vor: Alle Midgard-Leuchten werden vollständig in Deutschland hergestellt – wie zum Beispiel die „Midgard Modular“. Diese Schreibtischleuchte ist formal an die urtypischen Midgard-Serien der 1920er Jahre angelehnt und spendet dank ihrer wartungsfreien Gelenke auf stilvolle Weise und für lange Zeit ein fokussiertes, blendfreies Licht auf die Schreibtische dieser Welt.

„Brauchbar sein heißt auch schön sein.“ Die Wagenfeld-Tischleuchte

Anfang der 1920er Jahre wurden dann auch am Bauhaus eigene Schreibtischleuchten entworfen. Zu den wohl bekanntesten gehört die Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld (1900–1990). Der in Bremen geborene Industriedesigner, Bauhaus-Schüler und späterer Leiter der Metallwerkstatt der Staatlichen Bauhochschule in Weimar schuf mit ihr eine einzigartige, zeitlose Leuchte aus Glas und Metall, die heute zu den meistverkauften Leuchten der Welt zählt und ihren festen Platz im Museum of Modern Art in New York hat. Dabei war sie zunächst alles andere als erfolgreich – in kleinen Stückzahlen größtenteils von Hand gefertigt, war die Tischleuchte mit einem Preis von 55 Reichsmark für die meisten Menschen nicht gerade erschwinglich und wurde bereits 1930 wieder vom Markt genommen. Erst in den 1980er Jahren kam erneut Bewegung in die Sache – Walter Schnepel, Gründer des Unternehmens Tecnolumen, sicherte sich bei Wagenfeld höchstpersönlich die Rechte für die Produktion. Tecnolumen ist bis heute der weltweit einzige Lizenzinhaber der Bauhaus-Leuchte.

Wie das Original wird die Re-Edition der Wagenfeld-Leuchte in zwei Varianten gefertigt, als WA 24 (Fuß und Stativ aus Messing) und als WG 24 (Fuß und Stativ aus Glas). Eine fortlaufende Nummerierung und der eingestanzte Tecnolumen-Bauhaus-Stempel in der Fußplatte unterscheiden die autorisierte, urheberrechtlich geschützte Re-Edition von all den unzähligen, mangelhaften Plagiaten, die auf dem Markt herumgeistern. Charakteristisch für beide Entwürfe sind der schlichte Schirm aus mundgeblasenem Opalglas in Form einer 5⁄8-Kugel, getragen von einem zylindrischen Schaft, der flache, runde Leuchtenfuß und der zierliche Zugschalter. Beide sind wahre Meisterstücke, bei denen Wilhelm Wagenfeld die Bauhaus-Idee „form follows function“ auf elegante, schnörkellose Weise Gestalt werden ließ, ganz nach seinem eigenen Anspruch: „Brauchbar sein heißt auch schön sein, denn alles brauchen muss schön sein können, anders erfüllen die Dinge nicht ihren Sinn.“

Ein gelungenes Spiel aus Idee und Dell. Büroleuchten von Kaiser idell

Kaiser idell SchreibtischleuchteKaiser idell Schreibtischleuchte

Ein Jahrzehnt später wurde ein weiterer Leuchtenklassiker im Umfeld des Bauhauses geboren. Der Industriedesigner Christian Dell (1893–1974), der von 1922 bis 1925 Werkmeister der Metallwerkstatt am Weimarer Bauhaus war, entwarf 1931 für die sauerländische Leuchtenmanufaktur Gebr. Kaiser & Co. die Kaiser idell Typ 6631 – der Name ist ein Wortspiel aus „Idee“ und „Dell“. Die elegante Leuchte mit ihrem asymmetrischen, von Hand nasslackierten Schirm, ihrer patentierten Drehlager-Verbindung, ihrer exzellenten Materialität und technisch wohldurchdachten Lichtlenkung erntete weltweit Anerkennung. Ihre größte Popularität erreichte sie vor allem ab Ende der 1960er Jahre durch ihre zahlreichen tragenden Nebenrollen auf den Schreibtischen der Fernseh-Ermittler. So wird 1969 in der ersten Folge der ZDF-Krimiserie „Der Kommissar“ der Verdächtige im Lichte der Kaiser idell 6631 verhört. Auch der erste Tatort-Kommissar Haferkamp alias Hansjörg Felmy ermittelte in Essen im Schein der Kaiser idell – kaum ein Krimi dieser Zeit setzte die markante Leuchte nicht in Szene. Die populären Auftritte brachten der Luxusleuchte von Kaiser idell schließlich den Spitznamen „Kommissarleuchte“ ein.

Das wohl erfolgreichste kommerzielle Modell aus der Kaiser-idell-Serie ist die Tischleuchte Typ 6556, ebenfalls Anfang der 1930er Jahre von Christian Dell entworfen, nicht minder elegant, aber weniger ausladend. So fand sie, natürlich auch aufgrund ihres geringeren Preises, ihren festen Platz auf zahlreichen Büroschreibtischen.

Und auch heute glänzen die Klassiker der Kaiser-idell-Serie wieder in so manchem Büro, denn Fritz Hansen lässt die Design-Ikonen wieder produzieren. Das dänische Unternehmen mit Sitz in Kopenhagen erwarb 2009 die Markenrechte und stellt sie nach den originalen Entwürfen von Christian Dell wieder her, darunter auch die berühmte Scherenwandleuchte. Zu erkennen sind die lizensierten Re-Editionen an der Prägung „Original Kaiser idell“ am Fassungsdom, an der eingravierten fortlaufenden Nummer unter dem Leuchtenfuß und am mitgelieferten Echtheitszertifikat.

„I want to be an Anglepoise Lamp“

Anglepoise® ist eine britische Marke, deren Erfolgsgeschichte in den 1930er Jahren mit dem genialen Entwurf des Industriedesigners und Kraftfahrzeugingenieurs George Carwardine (1887–1948) begann. Seine Leuchtenkonstruktion baute auf einem Federzugmechanismus auf, der es ermöglichte, die Gelenkarme seiner Arbeitsplatzleuchte durch sanftes Fingertippen in die gewünschte Stellung zu bringen. Dabei orientierte er sich an der Beweglichkeit des menschlichen Arms. Anstatt der Muskeln ließ er die Federn spielen, damit der Leuchtenarm genau dorthin ausgerichtet werden konnte, wo das Licht zum Arbeiten erforderlich war. 1932 beantragt er ein Patent für seine Federzugleuchte, dessen Lizenz das britische Metallunternehmen Terry and Sons erwarb und die Leuchte 1935 unter dem Namen Anglepoise, was so viel bedeutet wie „Winkelbalance“, auf den Markt brachte. Die Marke wurde so populär, dass sich viele Designer und Künstler von ihr inspirieren lassen – so wie die britische Protopunk-Band „The Soft Boys“ mit ihrem 1978 veröffentlichten Song „(I want to be an) Anglepoise Lamp“.

Auch die neueren Modelle aus dem Hause Anglepoise®, wie die im Jahr 2004 von Industriedesigner Kenneth Grange (*1929) entworfene Tischleuchte Type 75, die Mini Type 75 im kompakten Format oder die farbenfrohe Paul-Smith-Edition der Type 75 aus dem Jahr 2014, bauen auf Carwardines Entwurf auf und sind bereits zu echten Designklassikern avanciert.

Gutes Licht für Produktivität und Wohlbefinden

Für eine optimale Beleuchtung Ihres Arbeitsplatzes positionieren Sie die Leuchte am besten so, dass Ihr Schreibtisch seitlich beleuchtet wird. Bei Rechtshändern steht die Leuchte links, bei Linkshändern rechts, um einen störenden Schattenwurf der Schreibhand zu vermeiden. Zudem sollte die Schreibtischleuchte ein Stück hinter dem Bildschirm platziert werden und der Lichteinfall schräg von oben erfolgen.

Gutes Licht trägt wesentlich zu unserem Wohlbefinden bei und hat außerdem einen positiven Einfluss auf unsere Produktivität und Konzentrationsfähigkeit. Ideal ist Tageslicht zur Ergänzung der Schreibtischleuchte, denn es aktiviert die Ausschüttung von Serotonin, dem sogenannten Glückshormon. Das hebt die Laune und hält uns wach und konzentriert, weil die Produktion des Schlafhormons Melatonin gebremst wird. Der Schreibtisch sollte also, wenn möglich, nah am Fenster stehen. Am besten ist es, Sie richten ihn seitlich zum Lichteinfall aus, so vermeiden Sie störende Schatten beziehungsweise Spiegelungen auf dem Bildschirm. Reicht die natürliche Beleuchtung nicht aus, hilft ein Raumlicht in Form einer Deckenleuchte oder Pendelleuchte. Auch mit Wandleuchten können Sie für eine Grundhelligkeit des Raumes sorgen. Kurz: Eine ausgewogene Verteilung von indirektem und gerichtetem Licht unterstützt alle Sehaufgaben optimal und schont die Augen, weil diese nicht ständig den Hell-Dunkel-Kontrast ausgleichen müssen. So können Sie Ihr Tagwerk effektiv verrichten und starten bester Laune in den Feierabend.

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